Lieben Sie klassische Seehelden, packende Geschichten, rahgetakelte Schiffe und (ant)arktische Entbehrungen? Möchten Sie selbst einmal eine solche Segelreise unternehmen, sind aber derzeit an Ihr Zuhause gebunden? Dann sind dies die Geschichten, die Sie in den kommenden Wochen lesen sollten. Segeln Sie von Ihrem Sessel aus um die ganze Welt, ohne sich um Eisberge, Flauten oder Meuterei sorgen zu müssen! (Teil 1 über moderne Helden finden Sie hier.)
5 Tipps aus unserer Bordbibliothek
Die Meuterei auf der Bounty – Charles Nordhoff und James Norman Hall
„Es ist schwer vorstellbar, dass es einen anderen authentischen Abenteuerroman zur See gibt, der uns durch seine heroische Anlage so anspricht wie Die Meuterei auf der Bounty.“
Die berühmte Geschichte von Kapitän William Bligh, der im Pazifischen Ozean durch den Meuterer Fletcher Christian ausgesetzt wird, atmet in der Tat von Anfang bis Ende Heroismus. Bligh versucht, mit 18 seiner Besatzungsmitglieder in einer Jolle die Insel Timor zu erreichen, während Christian das Kommando über die „Bounty“ übernimmt. Die Männer und das Schiff sind von diesem Moment an vogelfrei und müssen für den Rest ihres Lebens Deckung suchen oder umherirren.
„Inzwischen war es still an Bord geworden, und die Männer standen an der Reling und sahen dem immer kleiner werdenden Boot [von Bligh] nach. Christian stand noch immer an der Kabinentür. […] Es war gegen acht Uhr gewesen, als die Barkasse [Jolle] ausgesetzt wurde; die Brise frischte auf und die ‚Bounty‘ rauschte durch das Wasser, einen hellen Schaumstreifen hinter ihrem Rumpf ziehend. Die Barkasse war nun nur noch ein Punkt und innerhalb einer halben Stunde verschwunden, als hätte die See sie verschlungen.“
Südpol (South) – Sir Ernest Shackleton
In dem Jahr, als ich selbst mit einem rahgetakelten Dreimaster (der Bark Europa) in die Antarktis segelte, las ich diesen Bericht über die unvorstellbar schwere Expedition von Shackleton, die fast hundert Jahre zuvor stattfand (1914–1917). Trotz aller Rückschläge und Herausforderungen versteht es Shackleton, seine Besatzung immer wieder aufzumuntern und anzuspornen, das Beste aus sich herauszuholen. Selbst wenn ihre Zelte zerfetzen, die Erschöpfung nahe ist und sie von einem Schneesturm nach dem anderen gepeitscht werden, bewahrt er einen kühlen Kopf und beweist eine beispiellose Führungskraft.
„Endlich begann es zu dämmern, und gleichzeitig klärte sich das Wetter auf und der Wind flaute zu einer südwestlichen Brise ab. Ein prächtiger Sonnenaufgang kündigte, wie wir hofften, den letzten Tag an, den wir in den Booten verbringen müssten. […] Sobald es hell genug war, schlugen und schabten wir das Eis von Bug und Heck. […] Wir brachten unseren Eisanker aus und holten die Riemen an Bord. Während der Nacht waren sie im Auf und Ab der gefrierenden See so dick wie Telegrafenmasten geworden.“
Die Überwinterung auf Nowaja Semlja: Willem Barentsz und die Expedition in den Norden – Rayner Unwin
Über die Reise von Willem Barentsz und Jacob van Heemskerk, auf der sie China nicht erreichen, aber die Inselgruppe Spitzbergen entdecken und monatelang in der Kälte auf Nowaja Semlja ausharren. Insbesondere die Rückkehr in kleinen Booten ist eine wahre Heldenreise. Das Buch basiert natürlich größtenteils auf den Aufzeichnungen von Gerrit de Veer aus dem Jahr 1596.
Ich selbst las zuerst das Buch South über Shackletons Expedition zum Südpol, das Anfang des 20. Jahrhunderts spielt. Die Unterschiede im Wissen über Navigation, Technik und Gesundheit (Vitamin C) fallen dann umso mehr auf. Lassen Sie sich übrigens nicht dazu verleiten, den gleichnamigen Film aus dem Jahr 2011 anzusehen, der voller nautischer und geografischer Ungenauigkeiten und einer Menge romantischem Geschwätz steckt (Verzeihung). Lesen Sie einfach dieses legendäre Buch!
Das letzte Getreiderennen – Eric Newby
Es ist fast unvorstellbar, dass eine Geschichte wie diese (noch) Ende der 30er Jahre spielt. Die Arbeit an Bord des Viermasters ‚Moshulu‘ ist knochenhart, das Essen schlecht. Die Kommandos an Deck erfolgen auf Schwedisch – „Klart att vända!“ [Klar zum Wenden!] –, obwohl ein Großteil der Besatzung diese Sprache anfangs nicht spricht. Aber die Offiziere sind gnadenlos, und da lernt man schnell. Ein faszinierender und phasenweise beklemmender Bericht über das Leben an Bord eines der letzten Segelfrachtschiffe.
„Während wir die Leiter zum Deck hinaufstiegen, hörten wir das Signal ‚två vissel‘. Wir sahen den riesigen Fock schlagen und flattern in einem Wind, der sekündlich an Stärke zunahm und die Segel gegen die Masten blies. […] ‚Förbrassar‘, befahl Tria. Er warf die Brassen von den Nägeln und wir stellten uns an die Winden. Genau in diesem Moment gab eine der Trommeln nach vierunddreißig Jahren schlechter Wartung und unvorsichtigem Gebrauch den Geist auf. Der gesamte Mechanismus klemmte.“
Moby Dick – Herman Melville
Keine wahre Geschichte, aber dennoch heroisch und ein Klassiker „pur sang“, teilweise basierend auf Herman Melvilles eigenen Erfahrungen als Walfänger und auf damals bekannten Geschichten über einen weißen Pottwal. Über Kapitän Ahabs Besessenheit und Rachsucht und den unerfahrenen Matrosen Ismael, der sich „vom Geschehen mitreißen ließ“.
„Die vorübergehende Angst, ebenso vage wie schrecklich, wurde noch viel stärker durch den Gegensatz zum friedlichen Wetter, in dem nach Meinung einiger unter all der blauen Lieblichkeit ein teuflischer Zauber lauerte, und Tage um Tage segelten wir fort durch eine See, so träge und verlassen und still, dass alles Wasser aus Abscheu vor unserem rachsüchtigen Plan leblos zu werden schien, sobald es die Todesurne unseres Bugs berührte.“
Im Jahr 2015 erschien der Film „Im Herzen der See“, für den das Buch Moby Dick und der Untergang des Walfängers ‚Essex‘ die Inspirationsquelle bildeten. Jetzt unter anderem auf Netflix zu sehen.
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